„Die Konferenz sei eine 'Farce' und zu einem 'Zirkus' verkommen“, kritisiert der WWF den Verlauf der Klimakonferenz in Warschau und schweigt dabei über die eigene Perspektivlosigkeit. Mit großem Medienecho haben nahmhafte Verbände der Bürgergesellschaft den Verlauf der Klimakonferenz kritisiert. Und das durchaus zu Recht. Doch sie tragen mit Schuld an dem Desaster. „Umweltschützer, Kirchen und Menschenrechtler saßen von Anfang an mit am Verhandlungstisch. Sie waren Beobachter, Lobbyisten oder sogar Teil der staatlichen Verhandlungsparteien.“ <link http: www.zeit.de wirtschaft klimagipfel-protest-boykott external-link-new-window external link in new>(Zeit-online) Bis heute haben sie es jedoch versäumt, gangbare Auswege aus dem Fiasko zu entwickeln und aufzuzeigen. Es gibt in keinem wichtigen Umweltverband einen relevanten Ökonomen, der überzeugend darlegen könnte, wie es einer Regierung möglich wäre, eine Politik ohne permanentes Wirtschaftswachstum zu betreiben – ohne umgehend abgewählt zu werden.
Der Raubbau an unserer Umwelt und die gnadenlose Verbrennung jeglicher Rohstoffe entspricht der Logik von Wirtschaftswachstum um jeden Preis. Und genau hier haben die großen Umweltverbände versagt. Zwar kritisieren sie mit Recht viele Projekte und Gesetze. Doch sie wagen es bis heute nicht zu erklären, warum es permanentes Wirtschaftswachstum geben muss. Sie wollen und können nicht aufzeigen, wie soziale Gerechtigkeit, nachhaltiger Wohlstand UND die Bewahrung der Umwelt ökonomisch vereinbar sind. Tatsächlich diagnostizieren BUND, Greenpeace & Co., dass fast jeglicher Erfolg der letzten Jahrzente vom Immer-Mehr des Wirtschaftswachstums aufgefressen wurde.
Zeit-online schreibt: „Die Pressekonferenz ist ein politisches Zeichen der großen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen und des Internationalen Gewerkschaftsbundes. Sie haben am vorletzten Tag der Warschauer Klimaverhandlungen beschlossen, den Gipfel unter Protest zu verlassen.“ Genau diese drei Gruppierungen tragen die Verantwortung dafür, dass es bis heute keine ökonomische Diskussion über ein Wirtschaften ohne Wachstumszwang gibt. Ausnahmslos alle Ökonomen dieser Gruppen nehmen es als völlig selbstverständlich hin, dass es ohne Wachstum zu Verteilungskrisen kommt. Es ist daher unredlich, Politiker dafür zu attackieren, dass sie fast alles tun, um Arbeitsplätze und Steuereinnahmen durch Wirtschaftswachstum zu sichern.
Nicht, dass ich missverstanden werde: Die Anklage gegen die Vertreter aus Wirtschaft und Politik ist berechtigt und notwendig. Sie ist als Aussage der genannten Gruppen jedoch heuchlerisch und pharisäerhaft. Zeigt einen Weg auf, wie Gesellschaft ohne Wirtschaftswachstum funktioniert und wie Wohlstand ohne die Ausbeutung von Rohstoffen machbar ist. Zeigt den Menschen, wie man Arbeit und soziale Sicherheit für alle Menschen weltweit schafft, die Umwelt nachhaltig nutzt und das Finanzkapital den Bedürfnissen der Menschen unterwirft, dann wird eure Empörung glaubwürdig. Dies ist in keiner Weise ironisch oder zynisch gemeint. Die Forderungen sind durchaus miteinander vereinbar. WWF, DGB und Kirche sollten schleunigst diese Hausaufgaben machen, dann werden ihnen auch die Regierungen folgen.
Klaus Willemsen, 24.11.2013
Verwendete Quelle:
<link http: www.zeit.de wirtschaft klimagipfel-protest-boykott>www.zeit.de/wirtschaft/2013-11/klimagipfel-protest-boykott
