In der Rheinischen Post beschreibt Kessler das Grundproblem des Geldmarktes als "paradox: Mehr als 180 Milliarden € haben Europas Banken auf Konten der Europäischen Zentralbank angelegt", Reserven, die sie nicht an Unternehmen verleihen. Der Autor unterstellt den Banken dabei edle Motive. Aus Vorsicht wollen sie erst wieder mehr Geld verleihen, "wenn ihre Bilanzen sauber sind". Mit Verweis auf die von J. M. Keynes formulierte „Liquiditätsfalle“ deutet er aber auch an, dass diesem Verhalten auch spekulative Motive zugrundeliegen könnten.
Beides ist richtig. Entscheidend ist, das Sparverhalten der Anleger in die Betrachtung einzubeziehen. Die Banken haben seit Jahren ein wachsendes Volumen an kurzfristigen Einlagen. Dieses Geld kann im Krisenfall rasch abgezogen werden. Für Banken ohne ausreichende Liquidität kann dies existenzielle Folgen haben. Dies erklärt das aktuelle, zurückhaltende Kreditvergabe-Verhalten einiger Institute.
Es gibt kein Paradox
Schließt man in die Betrachtung von Keynes das Verhalten der Sparer mit ein, löst sich das Paradox auf. Aufgrund der flachen Zinsstruktur und der potenziell drohenden Inflation, werden immer mehr Sparguthaben von langfristigen in kurzfristige Verbindlichkeiten umgewandelt. Das Potenzial für solide langfristige Kredite verringert sich tendenziell. Die Banken gleichen dieses aus, indem sie kurzfristige in langfristige Verbindlichkeiten umwandeln, und zusätzlich auf neues Notenbankgeld zurückgreifen. Beide Varianten bergen Gefahren für die Institute und für die Volkswirtschaft.
In der Konsequenz heißt das: Kurzfristige Anlagen müssen Kosten verursachen, um einen Anreiz zu schaffen, Geldvermögen möglichst langfristig auszuleihen. Für die Liquidität in Form von Girokonto-Beständen und Bargeld können diese Kosten durch eine Geldhaltegebühr erzeugt werden. Dabei werden nicht die langfristigen Geldanlagen belastet, sondern ausschließlich die (kurzfristige und damit spekulative) Liquidität. Es geht nicht darum, Banken oder Sparer zu bestrafen. Entscheidend ist, einen marktwirtschaftlichen Anreiz zu schaffen, um überschüssige Geldvermögen auch weiterhin langfristig auszuleihen.
Klaus Willemsen, 27.112013
Verwendete Quelle:
Rheinische Post vom 23. November,
S. B3 Wirtschaft
