Katholische Kirche: Bischöfe verschweigen Millionenvermögen

Mit diesem Titel setzt der Spiegel die Diskussion über Besitz und Reichtum der Kirchen fort. Geht es um Millionen oder um Milliarden?

Durch beharrliches recherchieren gelingt es den Autoren, immer neue Vermögenshaushalte der katholischen Kirche ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Verwundert fragt sich der Leser, wie es den einzelnen "Gesellschaften öffentlichen Rechts" jahrzehntelang möglich war, ihre Vermögen fern jeder öffentlichen Wahrnehmung zu verwalten und zu mehren. An fehlendem Interesse der Öffentlichkeit kann es nicht liegen. Der Spiegel-Beitrag wurde bereits weit über 5000-mal empfohlen und durch über 500 Kommentare ergänzt.

Den Kommentaren zum Beitrag kann man entnehmen, dass bei der Aufdeckung der Vermögen bisher lediglich an der Oberfläche gekratzt wird. Der Hinweis auf die, über Jahrhunderte angesammelten, Grundstücke der Kirchen gibt eine Ahnung von der Dimension. Die katholische Kirche ist Deutschlands größter Grundstückseigner.

Wer A sagt muss auch B sagen.
Es bleibt zu hoffen, dass der Aufdeckung der Besitzverhältnisse die noch wichtigere Aufklärung über die Zunahme der Vermögen folgt. Der Berichterstattung kann man entnehmen, dass sich die Kassen der Kirchen aus staatlichen Zuschüssen, Kirchensteuern und Erbschaften speisen. Letztere beide Faktoren erzeugen die Hoffnung, dass jene, die nicht zur Vermehrung der Vermögen beitragen wollen, sich dem einfach entziehen können. Diesen Trugschluss gilt es aufzuklären. Die Milliardenbeträge bringen über Jahrzehnte Zinsen und Dividenden und wachsen von daher scheinbar aus sich selbst heraus. Schon die durchschnittliche Verzinsung von nur 3 % verdoppelt das Vermögen in nur 23 Jahren. Diese Summen werden von Menschen erarbeitet, die nicht danach gefragt werden, ob sie die katholische Kirche alimentieren möchte. Über Jahrhunderte hinweg hat die Kirche, aus guten Gründen, dass Zinsen nehmen geächtet und auf die Gefahren des Zinssystems hingewiesen. In den 1960-Jahren wurde diese, bis ins Alte Testament zurückreichende, Tradition beendet. Vielleicht wird man nun aufdecken, warum sich die Amtskirche dieser elementaren Gesellschaftskritik entledigte. Vermutlich finanziert sich der Heilige Stuhl, mehr noch als von den freiwilligen Abgaben durch Kirchensteuer und Erbschaften, aus Zins und Bodenpacht.

Klaus Willemsen, 31.10.2013

Verwendete Quelle:
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