„Ich gebe alles ein, was du möchtest“

Jahre lang haben Bankmitarbeiter den Libor, den wichtigsten Zinssatz der Notenbanken, zu ihren Gunsten manipuliert. Die Empörung ist groß, die Strafzahlungen der Banken sind gigantisch. Die geringfügigen Manipulationen an den Zinssätzen haben bei dem Bankkunden offenbar Milliarden hohe Kosten verursacht. Ist das wirklich so empörend?

Muss man sich wirklich darüber aufregen, wenn ein Zocker das Vertrauen der Aufsichtsbehörden missbraucht, um seine Boni aufzupeppen? Nein! Täuschen tricksen und manipulieren, Gesetzeslücken suchen und ausnutzen, gehört zum Geschäftsmodell ganzer Abteilungen des Bankensystems. Empörend ist, dass die Aufsichtsgremien versagt haben. „Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts erkannten findige Händler: Weil die Banken selbst Daten für die Berechnung der Zinssätze liefern, können Sie Einfluss auf die Kurse nehmen manipulieren“, schreibt das Handelsblatt. Wer trägt hierfür die Verantwortung?

Der eigentliche Aufreger ist jedoch die Tatsache, dass einzelne Händler durch geringfügige Manipulationen der Zinssätze so große Summen umverteilen können. Diese Tatsache beweist einmal mehr: der Zins ist die entscheidende Stellgröße bei der Umverteilung von den Arbeitenden zu den Besitzenden. Die Zinsen sind die Quelle milliardenschwerer Einkommen der Geldbesitzer. Die Boni der Banker sind dabei nur die Brosamen, und die Vermögensbesitzer werden darüber lächeln, dass man den Banker nun auf die Finger haut.

Klaus Willemsen, 30.10.2013

Verwendete Quelle:
<link http: www.handelsblatt.com unternehmen banken libor-strafen-die-chats-die-millionen-kosten>www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/libor-strafen-die-chats-die-millionen-kosten/9003518.html