Die Ursache von Inflation

Warum kam es 1923 zu einer Inflation der Verbraucherpreise und heute nicht? Die Geldmenge ist heute um ein Vielfaches größer als damals. Bei Wikipedia liest man dazu folgendes: „Eigentliche Ursache der schon ab 1919 beginnenden Hyperinflation war die massive Ausweitung der Geldmenge durch den Staat in den Anfangsjahren der Weimarer Republik, um die Staatsschulden zu beseitigen.“ Diese gängige Interpretation ist mindestens missverständlich und genau genommen falsch.

Nicht das Anwerfen der Druckerpresse durch die Notenbanker war die Ursache der Inflation von 1923. Ausschlaggebend war die Möglichkeit der Industrie, Kredite aufzunehmen, deren Kosten weit unter der Inflationsrate lagen. Jeder zusätzliche Kredit war mit einem Geschenk an das Unternehmen verbunden. Wer da nicht mitmachte, verzichtete auf den Geldsegen. Im Gegensatz dazu wird die Ursache im Allgemeinen damit begründet, dass staatlicherseits die Druckerpresse angeschmissenen wurde, um damit die Verpflichtungen aus den staatlichen Schulden bedienen zu können. Wenn man im Archiv der Bundesbank genauer recherchiert, ergibt sich jedoch ein anderes Bild.

Die Druckerpresse stand am Ende der Kausalkette, nicht am Anfang!
Der Ausgangspunkt der großen Inflation 1923 waren die Bedinungen unter denen bei der Reichsbank Industriewechseln rediskontiert wurden. Die Inflation hörte schlagartig auf, als die Rediskontierung ausgesetzt wurde. Die Einführung der Rentenmark, deren Deckung ja gar nicht existierte, war nur eine zusätzliche psychologische Finesse, um das ganze abzurunden. D.h. die Industrie hat mit Billigung der Reichsbank und Unterstützung der Geschäftsbanken sich Geld geliehen, vom dem sie annehmen konnte, dass die Zinsen weit, weit unter der Inflationsrate lägen. Da am Anfang die Diskrepanz zwischen erwarteten Inflation und Zinsen auch noch nicht sehr groß war, konnte die Inflation ab 1919 auch nur schleichend entstehen. Erst 1923 kam sie richtig in Fahrt und dann war das Geld für die Industriewechsel praktisch ein Geschenk an die die wechselausstellenden Industrieunternehmen.

Wichtig und besonders interessant: Die Druckerpresse lief den entgleisenden Preisen hinterher - nicht voraus. Die Triebkraft der großen Inflation war nicht die Druckerpresse, sondern die vollkommen inadequaten Bedingungen der Industriewechselrediskontierung, sprich: eine Absurdität in der Bepreisung von Finanzprodukten. Die Druckerpresse konnte nur das nachvollziehen, was durch die Rediskontierungspolitik der Reichsbank defakto schon geschehen war. Das Geld musste dann einfach gedruckt werden, denn die Verbindlichkeiten der Reichsbank durch die Hereinnahme von Wechseln waren ja schon entstanden. Daher wurde zum Beenden der großen Inflation ja auch kein Beschluss zum Einstellen der Druckerpresse gefasst – was auch nicht möglich gewesen wäre – sondern eben zu einem vorübergehenden kompletten Einstellen der Industriewechselrediskontierung. Die beschleunigt vermehrte Geldmenge war die Auswirkung und nicht Ursache der großen Inflation.

Damals wie heute gilt: Inflation kann sich nur schleichend entwickeln und selber beschleunigen, wenn nicht gegengesteuert wird. Sie fällt nicht vom Himmel, nur weil vermeindlich "zuviel" Geld im Umlauf ist.

Was bedeutet dies für die heutige Situation?
Die Geldwertstabilität ist heute durch zwei maßgebliche Risiken gefährdet:
Zum Einen durch die zu flache Zinsstruktur, die zu Fehlbepreisungen von Liquidität führt. Die Zinsen auf langfristig angelegtes Geld liegen nur unwesentlich über dem Zinssatz für kurzfristige Ausleihungen. Es ist also nicht mehr attraktiv, Geld langfristig zu verleihen. Stattdessen verleihen die Banken immer mehr kurzfrisitge Gelder als langfristige Kredite.

Zum Anderen gefährden die absurden Schuldenlasten der westlichen Volkswirtschaften vor dem Hintergrung geringer Wachstumsraten die Stabilität des Finanzsystems. Ein Umstand, der es aus politischen Gründen verhindern dürfte, dass die Zentralbanken mit geldpolitischen Entscheidungen gegensteuern, falls sich doch schleichend eine Infaltion aufbauen sollte.

Während so der erste Punkt der zu flachen Zinsstruktur zum Kreditcrunch und somit kurzfrisitg zu einer Deflation führen könnte, kann dennoch, aufgrund des Drucks der hohen Schuldenlasten, langfrisitig eine sich langsam selbst beschleunigende Inflation drohen. Mit unserem Vorschlag einer Gebühr auf Zentralbankgeld könnte sowohl das Problem der zu flachen Zinsstruktur kurzfristig effektiv gelöst werden, als auch langfristig der Abbau von Schulden in allen Sektoren begünstigt werden.

Quelle:
<link http: de.wikipedia.org wiki inflation_1923>de.wikipedia.org/wiki/Inflation_1923

Siehe auch: "Eine alternative Sicht auf die Ursachen der Hyperinflation 1922/23 eröffnen die Autoren Jaromir Benes und Michael Kumhof in einem Arbeitspapier des IWF vom August 2012" ebd.

AT & Klaus Willemsen, 13.11.2013